Kleingradierwerk Eibach

Die Eibacher Heilquelle

Im Jahre 1933 fanden Bohrungen im alten Steinbruch in Eibach statt. Nach Abschluss der Arbeiten sprudelte Wasser aus dem Bohrloch. Die "Entdecker" der Heilquelle waren die Eibacher Schafe, für die die Quelle als Tränke genutzt wurde.

1959 ließ Bürgermeister Heinrich Seibert das Wasser durch das Institut "Fresenius", im Hinblick auf die Stärkung des Fremdenverkehrs durch die Nutzbarmachung der Quelle, untersuchen. Die Ergebnisse rechtfertigten dann die weiteren Schritte.

1962 wurden mehrere Gutachten, die Heilkraft des Wassers betreffend, gefertigt. Die Gemeindeväter beschlossen, aufgrund der guten Qualität des Wassers, die Fläche vor dem Steinbruch zu einem kleinen Erholungsgebiet auszugestalten. Im Jahr 1963 wurden dann die Arbeiten an der Trinkhalle aufgenommen, in deren Fortschreiten die Eibacher Bürger große Eigenleistungen erbrachten.

1964 stellte die Gemeinde einen Antrag, um als Erholungsort, auch im Hinblick auf die Quelle, anerkannt zu werden. Der Antrag wurde im Jahr 1967 per Erlass vom Hessischen Minister für Arbeit, Volkswohlfahrt und Gesundheitswesen bewilligt und die "Steinbruchquelle" als Heilquelle staatlich anerkannt.

Im Jahr 1991 musste nach den damals üblichen Auflagen eine Heilwasseranalyse und ein hydrogeologisches Gutachten erstellt, sowie ein Schutzgebiet errichtet werden. Andernfalls hätte man die Heilquelle von Amts wegen schließen müssen und die staatliche Anerkennung wäre aberkannt worden.

Die Untersuchung brachte folgendes Ergebnis: Es handelt sich bei der "Steinbruchquelle" um ein Natrium-Chlorid-Wasser, welches auch in vielen Kurorten zu Heilzwecken verwendet wird. Mit diesem Wasser werden überwiegend durch Trinkkuren oder Inhalation, Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes sowie des Stoffwechsels behandelt.

1995 wurde dann eine Urkunde vom RP Gießen ausgestellt mit der Erlaubnis, natürliches Heilwasser als Arzneimittel zum Zwecke der Abgabe an andere zu gewinnen, abzufüllen und zu kennzeichnen.

Eibach wurde am 13.01.2000 in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Im Verlauf der Dorfentwicklungsplanung wurde seitens des Arbeitskreises Dorferneuerung in Eibach die Idee eingebracht, das Heilwasser des Mineralbrunnens in Zukunft intensiver und attraktiver zu nutzen. Die Heilanzeige des Wassers lässt nicht nur eine Nutzung als Trinkwassser, sondern zum Beispiel auch als Grundlage für eine in salzhaltiger Luft freigegebenen Sole zu. In dem Gradierwerk wird die Sole über bestimmte Holzvorrichtungen (z. B. aus Weiß- oder Schwarzdorn) geträufelt und als salzhaltige Teilchen an die Luft abgegeben. Die Errichtung des Gradierwerkes wurde so geplant, dass in einem rundförmig angelegten Wandelgang die angereicherte Luft eingeatmet werden kann. Das Bauwerk wurde als offene, leichte Holzkonstruktion errichtet, damit es sich an die Trinkbrunnenanlage und die örtliche Dachlandschaft anfügt.

 

 

Am 01.04.2003 wurde der Förderantrag für das Kleingradierwerk beim Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Abteilung Dorf- und Regionalentwicklung gestellt. Bereits am 23.05.2003 überreichte dann der Erste Kreisbeigeordnete des Lahn-Dill-Kreises, Herr Wolfgang Hofmann, Bürgermeister Michael Lotz den Bewilligungsbescheid des Landes Hessen über einen Zuschuss von 51.300,00 EURO für das Kleingradierwerk in Eibach und setzte somit den Startschuss für den Bau.

Freiwillige Helfer erstellten im September 2003 die Schalung für die Heilquelle. Nach einer etwa 12-monatigen Bauzeit konnte das Kleingradierwerk dann im August 2004 in Betrieb genommen werden. Ganz besonders hervorzuheben ist der große Anteil an Eigenleistung, den der Arbeitskreis Dorferneuerung und die engagierten Eibacher Bürger erbracht haben. Die Rohbau-, Zimmer- und Dachdeckerarbeiten wurden vergeben. Den Rest der Arbeiten (Klempnerarbeiten, Bodenbelagsarbeiten und die Außenanlage) wurden im Wesentlichen in Eigenleistung erbracht.

Vom Brunnen führt eine Leitung in das Betonbecken des Gradierwerks, das 11,5 Meter Durchmesser hat. Von dort wird das Heilwasser auf etwa sieben Meter Dachhöhe gepumpt und verteilt, um dann an einer Schwarzdornsaline herab zu rieseln.

Die touristischen Anstrengungen der letzten Jahrzehnte konnten mit der Errichtung einer attraktiven Kureinrichtung in Eibach wieder aufgegriffen bzw. verstärkt und auf zeitgemäße Art unter Zugriff auf besondere Standortvorteile umgesetzt werden. Regionale touristische Ansätze, insbesondere durch den Rothaarsteig, boten für eine behutsame touristische Entwicklung Eibachs eine günstige Ausgangssituation mit verschiedenen regionalen Wander- und Radwanderwegen.