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Start und Aktuelles

 

Dillenburg ist Oranienstadt

01.11.2017
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Dillenburg ist „Oranienstadt“ – ein Begriff, der schon immer in einem Atemzug mit der Stadt an der Dill genannt wird, der historisch tief verwurzelt ist und heute offizieller Namensbestandteil geworden ist. Der Hessische Minister des Innern und für Sport, Peter Beuth, verlieh uns am 1. November 2017 diese Bezeichnung in Form einer entsprechenden Urkunde. Vor allem aus touristischer Sicht ist die Namensänderung für die Stadt von großer Bedeutung.  

Eine Regelung in der Hessischen Gemeindeordnung macht es möglich. Danach können „Gemeinden neben der Bezeichnung ‚Stadt‘ andere Bezeichnungen, die auf der geschichtlichen Vergangenheit, der Eigenart oder Bedeutung der Gemeinde beruhen, weiterführen.“ Vorausgegangen war ein entsprechender Beschluss der Dillenburger Stadtverordnetenversammlung im Mai 2017 und ein ausführlicher Antrag an das Innenministerium, der mit einem befürwortenden Statement des Hauptstaatsarchivs Hessen ergänzt wurde. Schon nach wenigen Wochen kam die willkommene Zusage, dass Dillenburg sich bald über die offizielle Verleihung des Namenszusatzes „Oranienstadt“ freuen darf. Die neue Bezeichnung ist fester Bestandteil des Gemeindenamens. Seit 1945 wurde erst 50 hessischen Gemeinden und Städten diese Ehre zuteil. Dazu gehören Kurorte wie „Bad Vilbel“, „Bad Camberg“, aber auch Orte mit einem besonderen Bezug zu Personen und Historie – beispielsweise „Brüder-Grimm-Stadt Hanau“ oder auch „Dom- und Kaiserstadt Fritzlar“. Die jüngste Namensverleihung erhielt Idstein, die sich seit 2016 „Hochschulstadt Idstein“ nennen darf.   

Dillenburg empfing den Minister an einer bedeutenden Stätte, die in direktem Zusammenhang mit dem Verleihungsgrund steht. Dafür hatte die Ehrenwache der Projektgruppe „Leben im 18. Jahrhundert“ in historischen Kostümen Stellung bezogen. An diesem Tag fand zeitgleich der Saisonabschluss der Museumsanlagen statt, der wie üblich einen großen Besucheransturm – besonders von Gästen aus den Nachbarbundesländern, in denen der 1. November ein Feiertag ist – erleben durfte. Die stilvoll gestaltete Zeremonie fand im Kaminraum der Villa Grün statt. Sie beherbergt das Wirtschaftsgeschichtliche Museum im Herzen der Stadt, auf dem Schlossberg, auf dem 1533 Prinz Wilhelm von Oranien geboren wurde. Rund 50 geladene Gäste aus Politik und dem gesellschaftlichen Leben Dillenburgs wohnten der Feierstunde bei, die Stadtverordnetenvorsteher Klaus-Achim Wendel leitete. Der Begriff „Oranien“ sei auch heute noch in der Stadt mehr als aktuell: „Der gute Geist der Stadt Dillenburg ist ‚Oranien‘. Es wird im Alltag ‚Oranien‘ gedacht und gelebt und der Begriff befindet sich in ganz Dillenburg allgegenwärtig: der Wilhelmsturm, die Oranienstraße, die Wilhelmstraße, das Wilhelm-von-Oranien-Gymnasium und und und… Wilhelm von Oranien ist in Dillenburg geboren. Er wurde sozusagen in die Wiege der Stadt gelegt. Seitdem existiert eine enge Verbindung zum Haus Oranien-Nassau und heute ganz besonders mit dem niederländischen Königshaus. Der Begriff ‚Oranien‘ ist viel mehr als eine Zusatzbezeichnung auf einem Schild. Er bedeutet vor allem Tradition, aber auch Völkerverständigung dank der Union der Oranienstädte in den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Daher ist die ehrenvolle Zusatzbezeichnung eine logische Folge eines oranischen Daseins. Und darauf sind wir richtig stolz!“

 

Bei der Urkundenübergabe betonte der Minister: „Der Namenszusatz ‚Oranienstadt‘ ist nicht nur Auszeichnung für eine lange und historische Stadtgeschichte, sondern auch für eine gelebte geschichtsbewusste Stadtgesellschaft.“ In seinen Ausführungen ging er auch auf die befürwortende Stellungnahme des Hauptstaatsarchivs ein: „Ab 1763 errichtete man in Dillenburg einen der frühesten Archivzweckbauten in Deutschland, um umfangreiche Archivalien zum Haus Nassau-Oranien dort zu vereinen. Das Archiv wurde zum Zeichen einer Zentralfunktion der Stadt Dillenburg für das gesamte Territorium und für die Geschichte der Dynastie. Keiner anderen Stadt im Nassauischen kam diese ideelle und administrative Bedeutung zu. Das Hauptstaatsarchiv betont deshalb zu Recht in seiner Stellungnahme, dass die Festung in Dillenburg und dadurch die Stadt selbst stets eine herausragende Bedeutung für das Haus Nassau-Oranien innehatte. Dieses Alleinstellungsmerkmal Dillenburgs stellt ein besonderes Charakteristikum der Stadt dar und begründet nun die Verleihung des Namenszusatzes ‚Oranienstadt‘.“ 

Dillenburgs Bürgermeister Michael Lotz wies in seiner Dankesrede auf die Bedeutung dieses Ereignisses hin: „Um zu verstehen, was ein Dillenburger meint, wenn er von seinem ‚Dillenburg‘ spricht, muss man sich mit der Geschichte unserer Stadt auseinandersetzen. Um zu erspüren, was die emotionale Verbundenheit eines Dillenburgers zu seiner Stadt ausmacht, muss man die geschichtlichen Hintergründe verstehen. Und die Dillenburger Geschichte ist eine großartige Geschichte, auf die unsere Stadt und die Dillenburgerinnen und Dillenburger stolz sein können. Dillenburg hat Weltgeschichte geschrieben und überall auf der Welt Fußspuren in der Geschichte hinterlassen. Das bedeutende Fürstenhaus Oranien ist untrennbar mit unserer Stadt verbunden. Und das hat auch heute noch Gewicht. Wie anders ist es zu erklären, dass bislang jeder niederländische Monarch mindestens einmal den historischen Ausgangspunkt seines Königshauses in seiner Regentschaft besucht. Dillenburg ist Oranien. Dillenburg pflegt seine historisches Erbe und so ist die Verleihung des Namenszusatzes ‚Oranienstadt‘ nicht nur ein kosmetischer Akt, sondern untrennbar mit dem Selbstverständnis der alten Stadt der Oranier verbunden. Darauf sind wir stolz und werden die Bezeichnung ‚Oranienstadt‘ als Prädikat gerne in unseren Stadtnamen aufnehmen.“ 

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung in der Villa Grün von Joachim Dreher am Piano. Mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Dillenburg durch den Minister und weitere Ehrengäste endete die Zeremonie auf dem Schlossberg. In Kürze wird die Namensänderung per Erlass des Landes Hessen verkündet. Die Stadt Dillenburg wird alle Ortseingangsschilder entsprechend austauschen und ihre Medien und Druckwerke ändern, so dass für Bürger und Besucher gleichermaßen erkennbar ist, dass es sich bei Dillenburg jetzt um DIE „Oranienstadt“ handelt.

 


Geschichtlicher Hintergrund

 

Die Berechtigung für Dillenburg, den Namenszusatz „Oranienstadt“ zu erhalten, liegt in der fest verwurzelten Historie des Hauses Oranien. Über Jahrhunderte war die Stadt  Stammsitz des ottonischen Zweiges des Hauses Nassau und verfügte über eine entsprechend bedeutende Burganlage. In 1533 wurde in Dillenburg Wilhelm I. geboren, der als Prinz von Oranien in die Annalen der Weltgeschichte eingehen sollte. Von Dillenburg aus organisierte Wilhelm den Widerstandskampf der Niederländer gegen die spanische Fremdherrschaft.  

Von Wilhelm I. stammt auch das Haus Oranien-Nassau ab. Aufgrund dessen besteht noch heute eine enge Verbindung Dillenburgs mit dem niederländischen Königshaus. Dies zeigt sich nicht zuletzt durch den Staatsbesuch von Königin Juliana (1971) und den Privatbesuch von Königin Beatrix (2000) in Dillenburg. Diese freundschaftlichen Beziehungen sind auch eine Herzensangelegenheit des amtierenden Bürgermeisters Michael Lotz, was seine Treffen mit dem damaligen Kronprinzen und heutigen König Ihre Majestät Willem-Alexander 2010 in Breda/Niederlande sowie in 2013 bei einem Empfang in der Hessischen Staatskanzlei dokumentieren. 

An der königlichen Hochzeit von Kronprinz Willem-Alexander mit Prinzessin Maximá im Jahr 2002 in Amsterdam hat eine begeisterte Reisegruppe von Dillenburger Bürgern, die Wilhelm von Oranien und sein Gefolge darstellten, als Zuschauer beigewohnt. Das Hessen-Fernsehen begleitete die Delegation dabei ebenso, wie bei den Feierlichkeiten in Dillenburg anlässlich des Thronwechsels im Jahr 2013. Bei diesem „Konigsdag“ richtete die 25.000-Einwohner-Stadt zahlreiche Veranstaltungen auf dem Schlossberg aus, verbunden mit der Einweihung des neugestalteten Stammbaums des Hauses Oranien-Nassau im Wilhelmsturm, dem gemeinsamen Singen der niederländischen Nationalhymne „Wilhelmus von Nassauen“ und entsprechenden Salutschüssen durch Kanonen vom Schlossberg aus.   

Die besonders enge Verbindung zum Haus Oranien-Nassau ist bis in die heutige Zeit in Dillenburg allgegenwärtig. Zahlreiche Gebäude, Straßen, Plätze, Veranstaltungen und Vereine sind in Dillenburg entsprechend benannt, wie beispielsweise die Oranien- und die Wilhelmstraße, das Oranien-Parkhaus, das Gymnasium „Wilhelm-von-Oranien-Schule“, der Tanzsportclub Orange-Blau, der Lions Club Dillenburg-Oranien, das Oranier-Schwimmfest und viele mehr. Die Verknüpfung wird aber auch dadurch deutlich, dass sich die Farben des Hauses Oranien „orange-blau“ auf etlichen Prospekten, Fahnen, Logos und anderen Werbeträgern – sowohl von vielen Vereinen und Unternehmen, wie auch von der Stadt - wiederfinden. Dazu zählt auch die Stadtfahne Dillenburgs. 

Die größte Sehenswürdigkeit und das Wahrzeichen der Stadt ist der 40 Meter hohe Wilhelmsturm, der in den Jahren 1872-75 zum Andenken an Wilhelm von Oranien auf dessen Geburtsstätte errichtet wurde. Er ist schon von weitem sichtbar und befindet sich als Logo/Enblem in einer Vielzahl von unterschiedlichen Medien und anderen Werbeträgern. Seine Errichtung an dem bedeutenden Platz - an dem bis 1760 die imposante Schlossanlage stand - konnte mit finanzieller Unterstützung der niederländischen Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau stattfinden. In seinem Inneren befindet sich das oranien-nassauische Museum, das alljährlich Tausende von Touristen – insbesondere aus den Niederlanden -  anzieht. Hier sind viele Ausstellungsstücke zur Geschichte des Hauses und zur Person Wilhelms von Oranien zu sehen. Die modern gestalteten Räume widmen sich zum Beispiel Themen wie: „Das Leben Wilhelms von Oranien“, „Berühmte Nassauer in der europäischen Geschichte“ oder auch „Die Verbindung Nassau-Dillenburgs zum niederländischen Königshaus“. Kürzlich wurde die 3. Etage des Turms neu eröffnet mit einem eigens für Wilhelm von Oranien gewidmeten Gedächtnissaal. Aufgrund der geschichtlichen Bedeutung und Verbundenheit zum Hause Oranien-Nassau, ist die gesamte Exposition auch in niederländischer Sprache ausgeschildert. Ein Denkmal zu Ehren des bedeutenden Wilhelm I. von Oranien wurde im Jahre 2000 auf dem Schlossberg von der damaligen Königin Beatrix der Niederlande enthüllt. 

Es ist bekannt, dass in der Zeit zwischen 1568-1572, als Wilhelm von Oranien auf Schloss Dillenburg im Exil lebte, Text und Musik der heutigen niederländischen Nationalhymne verfasst wurden. Deshalb ist davon auszugehen, dass dieses Lied auf dem Dillenburger Schloss entstanden ist. 

Moritz von Oranien, der Sohn aus zweiter Ehe Wilhelms mit Anna von Sachsen, wurde ebenfalls in Dillenburg (1567) geboren und auf dem Schloss erzogen. Moritz gilt nicht nur als Gründer des Gestütswesens im Dillenburger Land, sondern er hat als bedeutender Heerführer das Befreiungswerk des Vaters erfolgreich fortgeführt. Nach ihm wurde 1598 die Insel Mauritius im Indischen Ozean benannt. 

Der Begriff „Oranienstadt“ ist in Dillenburg in aller Munde und wird in der Bevölkerung wie auch im touristischen Marketing oder von Pressevertretern verwendet. Bereits seit 1991 stehen an der A 45 in beiden Fahrtrichtungen jeweils kurz vor der Ausfahrt Dillenburg touristische Hinweistafeln (Unterrichtstafeln) mit der Bezeichnung „Oranienstadt Dillenburg“.  

Diese außerordentlich bemerkenswerte, geschichtliche Entwicklung der Stadt, der Geburt des Stammvaters der Linie Oranien-Nassau in Dillenburg und der täglich sichtbaren, starken Verknüpfung an die Zeit Wilhelm von Oraniens, belegt das eindeutige Unterscheidungsmerkmal Dillenburgs gegenüber anderen deutschen Städten, die in ihrer Historie ebenfalls auf eine Verbindung zum Haus Oranien-Nassau zurückblicken können. 

 

Zuletzt geändert am: 01.11.2017 um 17:59

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