Verdienstkreuz am Bande für Karin Pflug

Ehrung in Schloss Biebrich (v. l. n. r.): Jörg-Michael Müller (CDU, MdL), Karin Pflug, Ramona Höge, Ministerpräsident Volker Bouffier, Dillenburgs CDU-Frationsvorsitzender Wolfgang Nickel, Jutta Blecher & Ruth Janka (Schwestern von Karin Pflug) sowie Vorschlagender Kevin Deusing

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat Karin Pflug aus Dillenburg im Wiesbadener Schloss Biebrich das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland übergeben. Die Kommunalpolitikerin wurde mit der Auszeichnung für ihren langjährigen ehrenamtlichen Einsatz geehrt. „Karin Pflug hat sich nicht nur als Stadtverordnete in Dillenburg hohe Verdienste erworben. Ihr jahrzehntelanges Engagement für den Denkmalschutz und im Regionalverband des Deutschen Roten Kreuzes verdeutlicht, wie stark sie mit ihrer Heimat verbunden ist. Es ist mir eine große Freude, ihr diese Auszeichnung zu überreichen“, sagte der Regierungschef anerkennend.

Karin Pflug absolvierte eine Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel und war bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2007 in verschiedenen Unternehmen tätig. Seit 2006 setzt sie sich als Stadtverordnete in Dillenburg für die Belange der Bürgerinnen und Bürger ein. Als Ortsvorsteherin engagierte sie sich ein Jahrzehnt lang für die Dillenburger Kernstadt. Darüber hinaus ist Karin Pflug Mitglied des Stadtverbandsvorstandes der CDU in Dillenburg, aktiv in der Frauen Union und stellvertretende Vorsitzende der Senioren-Union. „Ihre Heimatverbundenheit zu Dillenburg und der Region spiegelt sich auch in ihrem unerschöpflichen Einsatz im Denkmalschutz wider“, betonte Volker Bouffier. So restaurierte die 74-Jährige mit viel Eigenleistung gemeinsam mit Freunden die „Tempelchen“ im Dillenburger Weinberg, die zu den historischen Ausflugszielen der Kernstadt zählen. Zu ihren weiteren Projekten zählt der Erhalt der alten Dillbrücke am Stadteingang, die als ältestes Bauwerk der Dillüberquerung in der Oranienstadt von besonderer Bedeutung ist. Des Weiteren ist sie Gründungs- und Vorstandsmitglied im Förderverein des Tierparks im Wildpark Donsbach und hat sich für den Verbleib des Hessischen Landesgestütes eingesetzt. Erst kürzlich engagierte sie sich gemeinsam mit dem Geschichsverein Dillenburg e. V. bei einer aufwändigen Schnittaktion auf dem Alten Friedhof und sammelte Unterschriften für die Versetzung des Brunnens auf dem Wilhelmsplatz. „Karin Pflug ist fast täglich in Dillenburg anzutreffen. Sie besitzt den Mut, Menschen, Firmen und Unternehmen von ihren Vorhaben zu überzeugen und um Spenden für die Umsetzung ihrer Projekte zu bitten“, unterstrich der Ministerpräsident. „Die Stadt und der Lahn-Dill-Kreis können stolz sein, eine so engagierte Frau in ihren Reihen zu haben.“ „Das Engagement von Karin Pflug ist sehr facettenreich. Mit Leidenschaft war sie im Kreisverband Dillkreis e.V. des Deutschen Roten Kreuzes ehrenamtlich tätig“, erklärte der Regierungschef. Im Jahr 2002 hat sie den ersten DRK-Kleiderladen in Hessen in Dillenburg eröffnet. Bis 2014 koordinierte sie nicht nur den ehrenamtlichen Einsatz von rund 35 Mitarbeiterinnen, sondern war auch selbst in der Sortierung und der Ausgabe tätig. „Dank der Erlöse des Kleiderladens konnten innerhalb von zwölf Jahren soziale Projekte in Höhe von 95.000 Euro gefördert werden. Das ist beachtlich und verdient Anerkennung“, sagte der Ministerpräsident bei der Übergabe des Ordens. Gemeinsam mit Freunden bepflanzt sie jedes Jahr Blumenkübel in der Innenstadt und tat so und durch das hartnäckige Sammeln von Spenden dem Steuerzahler einen Gefallen. Kevin Deusing hatte die engagierte Dillenburgerin für die Ehrung vorgeschlagen, die sich jederzeit mit materiellem und ideellem Einsatz für die Attraktivitätssteigerung der Oranienstadt, den Erhalt von Historie und Wahrzeichen der Stadt und nicht zuletzt für die Menschen eingesetzt.

Ehrung in Schloss Biebrich (v. l. n. r.): Jörg-Michael Müller (CDU, MdL), Karin Pflug, Ramona Höge, Ministerpräsident Volker Bouffier, Dillenburgs CDU-Frationsvorsitzender Wolfgang Nickel, Jutta Blecher & Ruth Janka (Schwestern von Karin Pflug) sowie Vorschlagender Kevin Deusing

Hintergrundinformationen

Der damalige Bundespräsident Theodor Heuss stiftete im Jahr 1951 den Verdienstorden der Bunderepublik Deutschland. Er wird für besondere Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland sowie für Leistungen im politischen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Bereich verliehen. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland wird in acht Stufen verliehen. Im Folgenden sind sie nach Höhe der Stufen geordnet, beginnend mit der niedrigsten: Verdienstmedaille, Verdienstkreuz am Bande (umgangssprachlich: „Bundesverdienstkreuz“), Verdienstkreuz 1. Klasse, Großes Verdienstkreuz, Großes Verdienstkreuz mit Stern, Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband, Großkreuz sowie Sonderstufe des Großkreuzes.

Ehrungen Kultur

Ehrung Kultur Foto: Peter Patzwaldt

Wir messen den kulturtragenden Vereinen eine hohe gesellschaftliche Bedeutung bei. Für besondere Aktivitäten oder Erfolge kultureller Art verleihen wir die Kulturehrenplakette. Träger dieser Auszeichnung waren u.a. Prof. Werner Sell, Charlotte Petersen, Prof. Maria Kliegel und Rolf Krenzer. In der Regel wird diese Plakette pro Jahr nur einmal verliehen. Personen, die sich um die kulturellen Belange in unserer Stadt oder darüber hinaus ehrenamtlich besonders verdient gemacht haben, wird ein Ehrenbrief verliehen. Insbesondere kann eine mindestens 12-jährige Tätigkeit als Vorsitzender eines kulturtragenden Vereines oder eine mindestens 20-jährige Tätigkeit im Vorstand eines kulturtragenden Vereins Anlass für die Verleihung sein. Kulturtragende Vereine, die Vorschläge zur Verleihung der Kulturehrenplakette bzw. des Kulturehrenbriefes machen möchten, können die Richtlinien zur Verleihung und Formblätter zur Einreichung eines Vorschlages bei uns erhalten. Die Unterlagen liegen in der Tourist-Information im Alten Rathaus, Hauptstraße 19, bereit. Telefonische Auskünfte werden unter der Telefonnummer 02771/896-151 gegeben.Vorschläge können bis 14. September 2020 beim Magistrat der Oranienstadt Dillenburg, Rathausstr. 7, 35683 Dillenburg eingereicht werden. Nachdem der Magistrat und der Ausschuss für Jugend, Soziales, Sport und Kultur über die eingegangenen Vorschläge beraten haben, wird die Ehrung in einem feierlichen Rahmen stattfinden. Foto: Peter Patzwaldt

Verleihung der Charlotte-Petersen-Medaille

Ehrung von Gerhard Zimmermann durch die Oranienstadt Dillenburg

Gerhard Zimmermann aus Bad Soden am Taunus ist der diesjährige Preisträger der Charlotte-Petersen-Medaille. Der Dekan im Ruhestand erhielt die hohe Auszeichnung der Oranienstadt Dillenburg aus den Händen von Bürgermeister Michael Lotz im ehemaligen Wohnhaus von Charlotte Petersen in Dillenburg, das heute Treffpunkt der Adventgemeinde ist. An der öffentlichen Preisverleihung nahmen Vertreter aus der Dillenburger Politik, von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dillenburg e.V., sowie von der Evangelischen Kirchengemeinde und Katholischen Kirchengemeinde teil. Ein Preisträger der Vorjahre, Eckhard Scheld, war ebenfalls bei der Zeremonie anwesend.

„Für Verdienste um die Verständigung zwischen den Menschen“

„Für Verdienste um die Verständigung zwischen den Menschen“ – diese Inschrift trägt die Charlotte-Petersen-Medaille, die seit dem Jahr 2001 alle zwei Jahre an Personen verliehen wird, die sich im Sinne der Namensgeberin besonders engagiert haben. Wie Michael Lotz berichtete, hatte Charlotte Petersen, eine der größten Persönlichkeiten Dillenburgs, zusammen mit Hilda Heinemann, der Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, im Jahre 1959 das Hilfswerk Wapniarka gegründet. Die Dillenburger Journalistin sei unermüdlich dafür tätig gewesen, Spenden für die Überlebenden dieses Konzentrationslagers aufzutreiben. „Zur Erinnerung an Frau Petersen und in Würdigung ihres Lebenswerkes stimmte die Stadt Dillenburg auf Anregung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dillenburg, deren Gründungsmitglied sie war, der Stiftung einer Charlotte-Petersen-Medaille zu“, so das Stadtoberhaupt. Die Ehrung soll möglichst am Geburtstag von Charlotte Petersen, dem 11. Juni, erfolgen. 1994 verstarb die Ehrenbürgerin Dillenburgs im Alter von 90 Jahren.

In diesem Jahr entschieden sich die städtischen Gremien für die Verleihung der Charlotte-Petersen-Medaille an den Dekan im Ruhestand Gerhard Zimmermann, der von Christoph Dasbach aus Wilnsdorf vorgeschlagen wurde. Die Laudatio hielt der Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische-Zusammenarbeit e. V. Dillenburg, Dr. Christoph Münz. Gerhard Zimmermann war von 1960 Gemeindepfarrer in Rennerod/Westerwald und von 1978 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Dekan des Evangelischen Dekanats Bad Marienberg. Mit Charlotte Petersen verband ihn seit 1958 ein beruflicher Kontakt. Er ist Autor und Mitherausgeber zahlreicher Bücher und Zeitschriftenbeiträge. Heute lebt der 89jährige in Bad Soden am Taunus.

Laudator beschrieb Zimmermann treffend

Dr. Christoph Münz berichtete in seiner Laudatio über das Kennenlernen von Charlotte Petersen 1986, als er als Haigerer ein Chorkonzert in Dillenburg besucht habe. Schon damals habe ihn die Journalistin der Dill-Post beeindruckt. Umso mehr habe er sich gefreut, als er sie 1988 als neues Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e. V. habe begrüßen dürfen.

“Groß, aufrichtig und von beeindruckend klarem Geist”

Sie bleibe ihm immer als „groß, aufrichtig und von beeindruckend klarem Geist in Erinnerung“. Über die Initiierung einer Charlotte-Petersen-Medaille der Oranienstadt Dillenburg im Jahr 2001 – also sieben Jahre nach ihrem Tod – habe er sich sehr gefreut. Vor fünf Jahren habe dann Gerhard Zimmermann mit ihm Kontakt aufgenommen, der sich unbedingt mit ihm habe treffen wollen. Der Grund: Zimmermann beabsichtigte, über Charlotte Petersen ein Buch zu schreiben. Ehrlicherweise sei er zunächst skeptisch gewesen: „Als Historiker und Germanist, der noch dazu selbst als Übersetzer und Journalist sein täglich Brot verdiente, standen mir die Herausforderungen deutlich vor Augen, die eine biografische Arbeit immer mit sich bringen“, so Münz. Aber schon das Lesen der ersten, in flüssiger und klarer Sprache geschriebenen Manuskriptseiten habe ihn schnell überzeugt.

Auch das Zusammentreffen sei ihm deutlich in Erinnerung geblieben: „Ich lernte eine Persönlichkeit kennen, die völlig uneitel, gänzlich von sich selbst absehend, einzig von der Person Charlotte Petersens zutiefst bewegt war, eine Persönlichkeit, die es als ihre Mission begriff, dem Leben und Werk von Charlotte Petersen ein bleibendes Denkmal zu setzen.“ Mehr als gerne habe er das Buchprojekt begleitet und unterstützt, das letztlich den Titel „Die größte Bettlerin des Jahrhunderts – Charlotte Petersen und ihr Kampf für die Überlebenden des KZ Wapniarka“ erhielt. Lektoriert und editiert wurde es vom Dillenburger Albrecht Thielmann, in dessen Verlag das Werk in 2014 erschien und in einer feierlichen Stunde im Sitzungssaal des Rathauses der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Cover der Biografie von Gerhard-Zimmermann
Cover der Biografie von Gerhard-Zimmermann

Dr. Christoph Münz betonte abschließend, „dass jeder, der Charlotte Petersen anhand ihrer Biografie kennenlernt, leicht einsehe, dass die Vergangenheit kein ‚Vogelschiss‘ sei, sondern eine bleibende Herausforderung, mit der es sich auseinanderzusetzen gelte, dass die Versöhnung zwischen Christen und Juden nach fast zweitausendjähriger christlicher Judenfeindschaft und 70 Jahre nach dem Holocaust immer noch am Anfang stehe und dass ohne den Einsatz für die Verständigung zwischen den Religionen insgesamt nur der Weg in die Barbarei bleibt. Für all dies steht Charlotte Petersen, das sind ihre Botschaften, das macht ihr Vorbild aus, was mit der Biografie von Gerhard Zimmermann zu einem bleibenden und jederzeit zugänglichen Vermächtnis geworden ist“. 

Facettenreiches Buch über engagierte Bürgerin

In seinem Buch schildert der Autor von prägenden Erlebnissen Charlotte Petersens in Dillenburg, von ihrem Kontakt zu dem jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, ihrer journalistischen Arbeit für die Dill-Post sowie ihrem Engagement als Gründungsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dillenburg. Ein Exkurs von Albrecht Thielmann in das Dillenburg von 1933 zeigt zudem anhand aussagekräftiger Fotos die nationalistische Aufbruchsstimmung in Dillenburg, mit der Charlotte Petersen als junge Frau und bekennende Christin einst konfrontiert war. Ergänzt wird das Werk durch beeindruckende, anekdotische Erinnerungen an Charlotte Petersen von ihren ehemaligen Journalisten-Kollegen der Dill-Post. Auf diese Weise gelingt es dem facettenreichen Buch, das Profil einer engagierten Bürgerin und Tochter aus gutem Hause zu zeichnen, die mit viel Zivilcourage ein Stück Verantwortung gegenüber der deutschen Geschichte auf sich nahm und die durch ihre journalistische Arbeit und ihr ehrenamtliches Engagement zu einem prägenden Teil der Dillenburger Stadtgeschichte geworden ist.

Demokratische Strukturen im Fluss

Aus den Händen von Bürgermeister Michael Lotz erhielt Gerhard Zimmermann beim offiziellen Festakt dann die Charlotte-Petersen-Medaille 2019. Das Stadtoberhaupt hatte schon in seiner Begrüßungsrede darauf aufmerksam gemacht, dass die Bedeutung der Medaille aktuell so wichtig sei, wie selten zuvor. Viele demokratische Strukturen seien derzeit im Fluss und rechtsextremistische Kräfte am Werk: „Deswegen sind wir alle aufgefordert, diesen Kräften entgegenzuwirken“. Der Geehrte bedankte sich sehr herzlich für die hohe Auszeichnung. Eine kurze Buchlesung durch ihn schloss den Festakt ab. Zimmermann: „Ich bin sehr glücklich, dass ich heute, an Charlotte Petersens 115. Geburtstag, hier sein darf und weitergeben kann, wie sehr sie sich für bedürftige Menschen eingesetzt hat“. Musikalisch wertig umrahmt wurde die Veranstaltung durch den Musiklehrer der Wilhelm-von-Oranien-Schule Ulrich Kögel am Flügel mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert.