Glasfaserausbau: Deutsche Glasfaser zieht sich zurück –Versorgung über Förderprojekt „Vollausbau“ dennoch weitgehend gesichert
Die Stadtverordnetenversammlung der Oranienstadt Dillenburg hatte am 02. November 2023 einer Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Glasfaser für einen flächendeckenden Glasfaserausbau zugestimmt. Voraussetzung für den privatwirtschaftlichen Ausbau war eine Anschlussquote von mindestens 33 Prozent der Haushalte. Daraufhin erfolgte eine großangelegte Akquise an dessen Ende diese Quote jedoch nicht erreicht wurde.
Trotzdem signalisierte die Deutsche Glasfaser der Stadt über viele Monate hinweg, weiterhin an einem zumindest teilweisen Ausbau interessiert zu sein und zu prüfen, ob dieser auch mit geringerer Beteiligung möglich sei. Kurz vor dem Jahreswechsel erfolgte nun die endgültige Absage des Unternehmens.
In ihrer Mitteilung verweist die Deutsche Glasfaser auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, gestiegene Kapitalkosten sowie Unsicherheiten bei Baupartnern. Das Unternehmen konzentriere sich daher künftig auf bereits begonnene Projekte und werde neue Ausbauvorhaben nur noch sehr selektiv beauftragen. Dies betrifft auch die Oranienstadt Dillenburg. Die entsprechende Aufhebungsvereinbarung liegt der Stadt vor und wird aktuell in den städtischen Gremien diskutiert.
Das Unternehmen hat jedoch zugesichert, dass alle Bürgerinnen und Bürger, die einen Vorvertrag abgeschlossen haben, in den nächsten Tagen und Wochen von Deutsche Glasfaser hierzu auch schriftlich informiert werden.
Förderprojekt „Vollausbau“ stellt flächendeckenden Glasfaserausbau weitgehend sicher
Unabhängig von der Absage der Deutschen Glasfaser hatte die Stadtverordnetenversammlung bereits am 06. November 2025 dem Abschluss einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung (ÖRV) mit der lahn-dill-breitband zugestimmt. Ziel des Projekts „Vollausbau“ ist die Anbindung nahezu aller unterversorgter Adressen an ein zukunftsfähiges Gigabitnetz. Damit ist der weitgehend vollständige Glasfaserausbau in Dillenburg langfristig gesichert.
Der Hintergrund: Der Ausbau moderner Telekommunikationsnetze ist eigentlich Aufgabe des Marktes. Da sich Investitionen jedoch insbesondere im ländlichen Raum häufig nicht wirtschaftlich darstellen lassen, kommt es seit Jahren zu einem Marktversagen. Um dem entgegenzuwirken, wurde bereits 2011 die kommunale Arbeitsgemeinschaft „lahn-dill-breitband“ (ldb) gegründet – getragen vom Lahn-Dill-Kreis und allen 23 Kommunen. Die ldb hat in den vergangenen Jahren, teils mit Fördermitteln von Bund und Land, maßgeblich zur Verbesserung der Breitbandversorgung beigetragen. Der nächste notwendige Schritt in die Gigabitgesellschaft ist der nahezu flächendeckende Glasfaserausbau (FTTB/FTTH).
Warum das Förderprojekt notwendig ist
Auch beim Glasfaserausbau durch Deutsche Glasfaser wären Bereiche übriggeblieben, die durch diese nicht ausgebaut worden wären. Auch in diesem Fall wären also Adressen ohne Glasfaseranschluss geblieben – eine digitale Spaltung, die die ldb mit dem Projekt „Resterampe“ verhindern will. Bund (50 %) und Land (40 %) haben ihre Förderzusagen bereits erteilt. Die Kommunen tragen einen Eigenanteil von zehn Prozent. Für Dillenburg wurden aktuell 3.044 Adressen in das Förderprojekt aufgenommen. Nicht berücksichtigt werden bereits ausgebaute Gebiete sowie Bereiche mit Kabel-TV-Netzen (HFC/DOCSIS).
Die endgültige Abrechnung erfolgt nach Projektabschluss – voraussichtlich im Jahr 2030 – und umfasst nur tatsächlich angeschlossene Adressen. Der kommunale Eigenanteil der Oranienstadt beträgt derzeit 1.522.000 Euro und wird von 2027 bis 2030 in vier gleichen Jahresraten eingeplant.Für Kommunen mit besonders hoher Belastung besteht zudem die Möglichkeit, eine Kreisförderung zu beantragen. Dies muss zu gegebener Zeit geprüft werden.
Ausblick
Mit dem Abschluss der ÖRV ist sichergestellt, dass nahezu alle unterversorgten Adressen in Dillenburg an das Glasfasernetz angeschlossen werden – unabhängig davon, ob private Anbieter eigenwirtschaftlich tätig werden.


