Metalcore-Festival “Spring Breakdown” am 9. Mai in Dillenburg. Metalcore-”Urväter” Caliban zu Gast
Am 9. Mai verwandelt sich die Oranienstadt für einen Tag in ein Mekka des modernen Metals. Das “Spring Breakdown Festival” läutet wie jedes Jahr die Festival-Saison ein. Bands aus der Region, ganz Deutschland und der gesamten Welt reisen jährlich nach Dillenburg, um den Menschen erstklassige Szenemusik zu bieten, für die sie meist eher nach Frankfurt oder Köln fahren müssen. Dieses Jahr ist eine Band der Hauptact (“Headliner”), die so ziemlich jedem Metalcore-Fan in Deutschland ein Begriff sein dürfte:
Die Rede ist von der Band “Caliban” aus Hattingen. Bereits seit 1997 stehen sie auf der Bühne. Sie gelten als deutsche Wegbereiter des Metalcore, eine moderne Spielart des Heavy Metal, welche Elemente des artverwandten Hardcore Punks einfließen lässt. Womöglich ist es das seit Jahren populärste Subgenre des Metal. Luca Bonkowski, der jedes Jahr die Bands für das Spring Breakdown Festival nach Dillenburg holt, ist stolz auf seinen “Fang”.
Im Frühling zu starten, kann vor- und nachteilhaft sein
“Die Band hat so ziemlich jeder Metalcore-Fan vor 10-15 Jahren rauf und runter gehört. Ich glaube, man kann sagen, dass die Dillenburger Gegend auch ziemlich ‘Caliban-versucht’ ist”, sagt er. Jedes Jahr laufe er sich “die Füße wund”, gleich in der ersten Woche nach dem geglückten Festival, um schon Gruppen für das nächste Jahr an Land zu ziehen. Die Herausforderung beim Booking sei gleichzeitig das, was das Festival einzigartig mache.
Der Spring Breakdown starte bewusst früh, im Frühling, um nicht parallel zu seinen großen Konkurrenzveranstaltungen zu laufen – wie etwa Wacken, Rock am Ring oder Full Force. Davon verspricht man sich mehr Besucher. Gleichzeitig heißt das aber: “Es kommen weniger Besucher aus Übersee nach Deutschland, weil sie noch nicht am Touren sind. Dadurch sind wir etwas auf den deutsch-europäischen Markt angewiesen”, so Bonkowski.

Bands aus Japan, USA und Australien regelmäßig zu Gast
Das hindert die Veranstalter trotzdem nicht daran, Bands aus Australien, den USA und Japan ins Oranienstädtchen zu locken: 2024 etwa “Crystal Lake” aus Tokio, oder “Deez Nuts” aus Melbourne 2019. Dieses Jahr kommen “Lastelle” aus England nach Dillenburg. Eigentlich sollten “Deez Nuts” dieses Jahr wieder im Hofgarten spielen, kurzfristig gab es jedoch eine Absage. Halb so schlimm, weil ein starker Newcomer aus Hamburg ihren Platz einnimmt, “Half Me”.
Die Vorbereitungen laufen sensationell. Drei Viertel der Tickets sind schon einen Monat vor Festivalstart verkauft gewesen. Festivalleiter Yannick Gaubatz ist mehr als zufrieden. “Ich bin guter Dinge, dass wir ausverkauft sein werden. Und: Die Aufgabenbereiche sind jedes Jahr sinnvoller aufgeteilt, dadurch funktioniert die Organisation fast autark”, so der frühere Dillenburger.

Festival sucht dringend Jugend-Nachwuchs
Größte Herausforderung ist, wie jedes Jahr, Geld ran zu schaffen. Der Verein hinter dem Festival ist ehrenamtlich organisiert. Damit sind jedes Jahr, neben zahlenden, trinkenden und essenden Kunden, Förderungen und Sponsorings nötig. Zwar genießt das Festival großes Vertrauen bei etablierten Sponsoren – doch auch bei denen sitzt das Geld, nach 6 Jahren Dauerkrisen, nicht mehr so locker. Zudem steigen die Kosten für Getränke und Lebensmittel, Security-Personal und vor allem auch die Bandgagen.
Ohne ehrenamtliche Helfer wäre das Festival deshalb schwer zu stemmen. Jedes Jahr helfen viele Dutzende Menschen aus der Region: Am Zapfhahn, als Ordner, beim Ticketverkauf, oder bewachen die Nächte vor und nach dem Festival Bühne und Equipment. Gaubatz würde es freuen, wenn künftig auch jüngere Menschen Lust hätten, mitzumachen. “Wir haben uns als Verein für Jugendkultur gegründet, da waren wir 18. Mit Anfang 30 dürfen wir uns langsam fragen: Können wir noch Jugendkultur? Zumindest würden richtig junge Menschen uns definitiv guttun”, appelliert er. Jede Hilfe sei gern gesehen, in der Planung, Organisation oder am Festivaltag selbst.

Alles fing mit dem eigenen Bandkonzert an
Seit 14 Jahren veranstalten Gaubatz und sein mittlerweile sehr großes Team aus Freunden und Bekannten das Festival. Alles begann mit einem Konzert der eigenen Metalcore-Band “Setting The Sails” im Jugendwerk – das ebenfalls im Hofgarten sitzt. “Wir wollten mal vor größerem Publikum spielen und haben zwei Bands aus der Region eingeladen, eine davon kannten wir noch gar nicht persönlich. 250 Menschen kamen damals schon, die Resonanz war super”, erinnert sich der ehemalige Frontmann. Daraus wuchs die Idee, eine wiederkehrende, professionalisierte Veranstaltung zu machen, mit größeren Bands.
Die nächsten Auflagen des Spring Breakdowns fanden in der Dillenburger Stadthalle statt. Aus baulichen Gründen ging das ab 2015 nicht mehr, das Festival wanderte in die Goldbachhalle in Frohnhausen. 2022 wurde das Festival nach draußen verlegt, in den Dillenburger Hofgarten, wo alles begann. Die Idee: Regionalen Nachwuchsbands eine Gelegenheit bieten, gleichzeitig Dillenburgern die größten und gerade gefragtesten Metalcore-Bands der Welt in die eigene Stadt holen. Für möglichst wenig Geld: In puncto Bier- und Ticketpreis versuchen die Veranstalter stets, die Konkurrenz deutlich zu unterbieten.
Manchmal fühle es sich wie ein “unbezahlter Nebenjob” an, sagt Gaubatz: Das ganze Jahr über managet er die Finanzen, fragt die Arbeitsgruppe für das Catering, welcher Anbieter den zweiten Imbisswagen stellt, schaut auf den “Bauplan” für die Veranstaltung, stellt Spendenbescheide für die Sponsoren aus. Der finale Moment lohne die ganze Mühe jedoch immer wieder aufs Neue: “Wenn die Festivalmaschine läuft, also das Bier aus den Hähnen fließt, die erste Band spielt, wenn Nachwuchsmusiker sich backstage miteinander vernetzen und besprechen, wo sie in der Zukunft zusammen ein Konzert spielen könnten und ich das aus einem ruhigen Winkel beobachten kann.”
Die Bands (in absteigender Reihenfolge):
Caliban
Sie sind so etwas wie die Urväter des deutschen Metalcore schlechthin. Seit Ende der Neunziger prägen sie die Szene, tourten bereits mit Legenden wie Killswitch Engage und teilten die Bühne mit Slayer und anderen Schwergewichten. Auf dem aktuellen Album “Back From Hell”, dem es an Brutalität nicht mangelt, sind Features mit Szene-Größen wie Fit For An Autopsy und Mental Cruelty vertreten.
Half Me
Wenn man denkt, die Brutalität, Energie und das Sounddesign im Metalcore können nicht mehr getoppt werden, sitzen irgendwo Half Me düster lachend auf einem schlecht ausgeleuchteten Schaukelstuhl in Ihrem Wohnzimmer und fordern Sie auf, ihr Bier zu halten. Dunkler und bulldozerhaft schmetternder Nu-Metalcore aus der großen Perle an der Elbe – Hamburg City.
Accvsed
Modernsten Metalcore mit hymnischen Refrains und bis ins Jenseits runtergestimmten Gitarren liefern dieses Jahr die Wiesbadener Accvsed. Erst seit fünf Jahren auf dem Metal-Markt, kann das Quartett stolz sein auf über 75.000 monatliche Spotify-Hörerinnen und -Hörer und Soundproduktionen auf höchstem Niveau, die stark an den Sound der Platzhirsche Architects und Northlane erinnern.
Lastelle
Nicht nur Spaß im Moshpit, sondern auch Sound für Herz und Seele müssen her, der jeden Feuerzeugschwenk-Enthusiasten auf seine Kosten kommen lässt. Dafür dürfen Lastelle aus England einen Abend das Festival ihr zu Hause nennen. Freuen können Besucher sich auf feinsten, atmosphärischen Post-Hardcore, der den Spring Breakdown hoffentlich in ein unvergessliches Lichtermeer verwandeln wird und zu den Worten hinreißen lässt: Emo’s not dead!
Dying Breed
Seit über zehn Jahren sind sie aus der mittelhessischen Metal- und Hardcore-Szene nicht wegzudenken. Waschechte Dillenburger Jungs, die sich dem Post-Hardcore verschrieben haben und tiefe, in Mark und Herz treffende Melancholie mit stampfenden Breakdowns und saftigen Riffs kombinieren. Auf diesem Festival standen sie bereits mit Größen wie Crystal Lake, Breakdown of Sanity oder Nasty auf der Bühne und werden vom Publikum jedes Mal mit Moshpits belohnt, die sich über die Jahre nur echte Locals verdienen können.

Left Betrayed
“Kompromisslose Härte” aus dem Herzen des Westerwalds versprechen diese Jungs aus Hachenburg. Left Betrayed sind seit sage und schreibe 20 Jahren in der Szene unterwegs und paaren tiefrollenden Hardcore mit Groove Metal. Um die Ohren geschmettert gibt es unter anderem ihre Scheibe “The Promise”, veröffentlicht im letzten November.
Leyka
Kaum eine Band aus Hessen legt sich gerade so sehr ins Zeug wie Leyka. Mit ihrer “Road to Dystopia-Tour” 2026 zieht die Band aus Mainz von Februar bis Mai durchs ganze Land, um ihren Metalcore, bei dem es mal melodisch ist und auch mal knallt, unter die Leute zu bringen. Erst im Winter 2025 haben die Jungs neue Musik rausgebracht, die sie auch aufs Festival mitbringen werden.
Allgemeine Infos
- Ein-Tages-Festival – kein Camping
- Ort: Hofgarten Dillenburg
- Datum: 9. Mai 2026
- Einlass: ca. 15 Uhr
- Tickets (Vorverkauf): 28,70 €
- (Abendkasse, falls nicht bis zur Veranstaltung ausverkauft)
- Eintritt frei für Kinder unter 12 Jahren
- Mindestalter: 16 Jahre (Ausweispflicht! Alternativen nicht zugelassen)
- Barrierefreiheit: Zugang ja, aber auf einer Wiese situiert
- Veganes und nicht-veganes Essen
- Rechtsradikale und Sexisten sind unerwünscht!


